Rayson d'être

Über Weltbewegendes

Neue Gerechtigkeit

Straftaten aus rechtsextremen Motiven heraus sollen künftig stärker bestraft werden. 

Gerichte werden sich also demnächst mit der Frage nach den “wahren” Motiven einer Tat beschäftigen müssen. Wer als potenzieller Übeltäter nicht mit verschärftem Strafen rechnen will, tut somit gut daran, von vornherein jede politische Betätigung rechts des Mainstreams zu vermeiden und sich z.B. auch nicht öffentlich gegen ungeregelte Einwanderung auszusprechen. 

Für was die NSU-Morde nicht alles herhalten müssen. Dass hier die Gefahr einer zu geringen Bestrafung bestanden hätte, wäre jedenfalls neu. 

Keine Parallele

Wer sich ab und zu mal auf dieses Blog verirrt hat, wird vielleicht noch in Erinnerung haben, dass hier “Islambashing” keine sorgsam gepflegte Tradition ist und bei aller Kritik an aktuellen Erscheinungsformen dieser Religion ihr nicht grundsätzlich die Eignung zur normalen Einbindung in westliche Staaten abgesprochen wird. Allerdings wird hier auch die These vertreten, dass herrschende Auslegungsgrundsätze diese Einbindung von der Seite der Gläubigen her erheblich schwieriger gestalten als  z.B. beim Christen- oder Judentum. Demzufolge wäre auch eine Argumentation unzutreffend, die diesen theologischen Einfluss leugent und die drei großen monotheistischen Religionen vom Grundsatz und der tatsächlichen Ausübung her auf dieselbe Stufe stellt. Leider ist genau diese Argumentation insbesondere bei Religionsfernen sehr beliebt.

Jüngstes Beispiel hierfür wäre die Rezension zur letzten Maischberger-Sendung in der FAZ. 

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Eben nicht

Es sieht fast so aus, als bräuchten wir uns zukünftig über einzelne Merkmale von stromverbrauchenden Produkten keine Gedanken mehr zu machen, denn die EU regelt das dann schon für uns. Wo kämen wir auch hin, wenn Anbieter und Nachfrager sich ohne Einmischung des Staates über die Beschaffenheit der ausgetauschten Güter einigten? Dass die EU hier wieder für die Gängelungslust deutscher Politiker herhalten und demnach auch die übrige EU-Bevölkerung wieder mal am deutschen Wesen genesen muss, wie der FAZ-Kommentator anmerkt, macht die Sache nicht besser.

Es ist aber höchst bedauerlich, dass ein Kommentar, der so klug anfing und in einer so klugen Empfehlung mündet, ein äußerst dummes Argument benötigt:

Vor allem aber sagen sie nicht, wie sie den Klimawandel ansonsten verhindern wollen. 

Denn egal, wie sehr uns die Politik im Konsum noch einschränken will: Den Klimawandel verhindert sie dadurch eben nicht. Alle “Klimarettungsmaßnahmen”, mit denen wir überzogen werden, sind rein symbolische Handlungen. Oder besser noch: ein Ritual, von dem man ebenso an-. wie vergeblich erhofft, dass es auf die Haupt-CO2-Erzeuger irgendwie anziehend wirkt.  

Rundumentlarvung

Zu erwähnen, dass in der FAS mal wieder auf dämlichste Art und Weise über die AfD “berichtet” wurde, hätte nur wenig Neuigkeitswert. Und dass trotz sehr geringer Überschneidungen in der Wählerschaft wieder NPD-Vergleich herhalten müssen, auch nicht. Aber mittlerweile wird insbesondere die letztere Methode arg peinlich. Und zwar nicht für die AfD. Schauen wir es uns an:

Allerdings holt sie die AfD immer wieder ein. Zum Beispiel auf den Straßen in Sachsen. Da hängen die Plakate.
AfD: „Alle Macht geht vom Volke aus“, NPD: „Wir sind das Volk“.

Alles klar: Hiermit ist die AfD als NPD-nah entlarvt. Das Grundgesetz übrigens auch: “Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.” (Artikel 20 Abs. 2)

AfD: „Einwanderung braucht klare Regeln“, NPD: „Masseneinwanderung stoppen“.

Qualitätsjournalisten fällt es vielleicht nicht auf, dass diese beiden Aussagen nicht übereinstimmen. Aber deren Job hat ja auch nichts mit Sprache zu tun. Deswegen als Service auch für diese viel zu gering geschätzte Berufsgruppe: Einwanderung, die Regeln unterliegt, ist eine Einwanderung, die stattfindet. Und, auch wenn das jetzt plötzlich und unerwartet kommt: Das ist geltende Rechtslage. Was die NPD fordert, nämlich einen Stopp von Einwanderung, wäre hingegen neu. Man kann der AfD also vorwerfen, dass sie unsinnigerweise eine Forderung plakatiert, die bereits längst erfüllt ist. Oder aber, dass sie sich mit dem Thema Einwanderung in einer anderen Form beschäftigt als mit der Forderung nach Grenzenlosigkeit. Es soll ja Leute geben, die das für rechtsradikal halten.

AfD: „Sichere Grenzen statt grenzenloser Kriminalität“, NPD: „Kriminalität bekämpfen – Grenzen sichern“.

Gut, in der weitgehenden Inhaltslosigkeit sind sich diese Plakate einig. Aber wenn das schon Beleg zu NPD-Nähe sein soll, dann wäre diese Partei wohl die mächstigste in ganz Deutschland. Es ist allerdings so, dass die Thematisierung von Kriminalität traditionell eine Domäne rechter Parteien ist, also “rechts” im Sinne von “nicht links” und auch “nicht liberal”. Früher, die Älteren werden sich vielleicht erinnern, hatte sich z.B. auch die CDU mal dafür interessiert. Und in Deutschlands Osten scheinen viele Menschen deswegen besorgt zu sein, so dass es weder verwunderlich noch verwerflich ist, wenn Parteien diese Sorge aufgreifen. Der aufmerksame Wähler wünscht sich zwar auch eine Konkretisierung solcher Aussagen, wird diese aber auch nicht auf Plakaten erwarten. Man kann ja auch mal die Forderung erheben, zur Abgrenzung von den “Rechten” das Gegenteil zu plakatieren: “Unsichere Grenzen statt Begrenzung der Kriminalität” beispielsweise. Das wäre dann doch Pflicht der Aufrechten, oder?

Dass sich übrigens Peter Tauber, der Generalsekretär der CDU, nicht entblödet, diese “Entlarvung” zustimmend zu retweeten, ist nun leider seinerseits erhellend…

Auf den übrigen Artikel einzugehen, ist an dieser Stelle müßig. Der geübte Leser wird die dort angewendeten Methoden erkennen. Es reicht, sich vorzustellen, wenn mit ähnlichen Ansätzen an andere Parteien herangegangen würde.

Splitting, das unbekannte Verfahren

Es gibt wenige Dinge, derer man sich so absolut sicher sein kann wie der Tatsache, dass zum Ehegattensplitting von Qualitätsjournalisten nur Unsinn geschrieben wird. Jüngstes Beispiel, das offensichtlich dazu beitragen soll, aus relativ unspektakulären Fakten einen krassen Fall von Ungerechtigkeit zu basteln:

Zusammenlebende Ehepaare werden in Deutschland gemeinsam veranlagt und nach dem Splitting-Verfahren besteuert.
Das Verfahren fingiert eine hälftige Aufteilung des gemeinsam zu versteuernden Einkommens. Das Splitting rechnet sich besonders für Paare mit großen Einkommensunterschieden, weil der Besserverdienende steuerlich kräftig entlastet wird. Dafür muss allerdings der schlechter verdienende Partner etwas mehr zahlen. Und das ist in der Regel die Frau.

Es gibt in dem Verfahren zwar eine Art “hälftige Aufteilung”, aber nur als Zwischenschritt zur Ermittlung des Tarifs. Auf die Hälfte des gemeinsamen Einkommens wird der entsprechende Steuersatz angewendet und die so entstehende Steuerschuld schließlich verdoppelt. Auf diese Weise wird der Progressionseffekt verringert. Es ist aber Unsinn, aus diesem rein rechentechnischen Verfahren eine Aufteilung der gemeinsamen Steuerschuld auf die Ehepartner zu machen, in dem z.B. der “Besserverdienende entlastet” würde. Genau das geschieht eben nicht. Was der Qualitätsjournalist anscheinend meint, ist, dass wenn man nun diese gemeinsame Steuerschuld wiederum halbieren oder auch nur proportional zu den Einkünften aufteilen würde, dieser Anteil dann bei dem Partner mit dem geringeren Einkommen höher und bei dem Partner mit dem höheren Einkommen geringer ausfiele, als wenn beide getrennt veranlagt würden. 

Aber wer so rechnet, statt sich über die insgesamt erreichte steuerliche Entlastung der eigenen Ehe zu freuen, sollte sich zuerst besser fragen, warum er oder sie überhaupt geheiratet hat. 

Keine Ausreden!

Es gibt einen Grund, warum ich auf Äußerungen empfindlich reagiere, die eine Art schichtenspezifischen Determinismus proklamieren: Demnach sein man hilfloses Opfer der eigenen Herkunft. Ich halte das für Bullshit. Und zwar aufgrund eigener Erfahrung. 

Kommen wir zur Ausgangslage. Vater Angestellter. Mutter Hausfrau. Beide mit Hauptschulabschluss. Der Sohn (ich): Klassenbester in der Grundschule. Nach Anfangsschwierigkeiten in Mathe auch einer der Besten im Gymnasium – mit Bestnoten in Mathe. Studium nach vielen Zweifeln locker absolviert. Super-Jobs bekommen. Gewechselt. Weitere Super-Jobs bekommen. Schließlich, nach vielen Wahnsinns-Jahren Berufserfahrung bewusste Entscheidung gegen das Angestellten-Dasein und für die Selbständigkeit. Konkrete Hilfe der Eltern: nahe Null. Bereitschaft der Eltern, die Zukunft des Kindes mit den begrenzten Mitteln zu fördern: unendlich. Ich musste nie ein Buch bezahlen. Ansonsten war das Taschengeld sehr knapp, vor allem im Vergleich zu den Altersgenossen. Und wir reisten viel, soweit es das Budget zuließ. Mallorca, Tessin, Frankreich – aber kein Haus, keinen Benz (wie die Nachbarn), keine teuren Klamotten. 

Wenn man mich also fragt, ist dieser Schichtendeterminismus Schrott. Es zählen maximal nur zwei Dinge: Die Gene und der Wert von Bildung in der Familie. Von Ersterem kann ich nichts Verwertbares berichten, aber Letzteres hat offensichtlich gewirkt.

Berlin-Besuch 2014

Am Wochenende besuchte ich das erste Heimspiel der Hertha in der neuen Saison. Wie es bei mir und meiner Liebsten schon lange Tradition ist – wir verbinden das mit einem verlängerten Wochenende in einer Stadt, die uns beiden aus den unterschiedlichsten Gründen am Herzen liegt: Berlin.  Mehr von diesem Beitrag lesen

No Mail today

Wer in größeren Unternehmen arbeitet, kennt die dortige E-Mail-Flut. Besonders störend ist sie während des Urlaubs. Dieser soll eigentlich der Erholung dienen, also bei insbesondere geistig aktiven Mitarbeitern eben ohne E-Mail-Lesen ablaufen können – der Grundsatz steht zumindest im Gesetz, aber die Praxis? Konzerne wie Daimler haben zu einer mehr oder weniger radikalen Lösung gegriffen: E-Mails, die an einen Urlauber geschickt werden, kann dieser per Voreinstellung löschen lassen, wobei der Absender über diese Löschung und einen alternativen Ansprechpartner informiert wird. 

Wie in diesem Land nicht anders zu erwarten, wird auch diese sinnvolle Maßnahme benörgelt. So zum Beispiel von der Zeitung, hinter der angeblich immer ein kluger Kopf steckt. 

Das Grundproblem ist denn auch ein anderes: Es sind nicht die Mails, die während eines Urlaubs eingehen, es ist die schiere Masse an E-Mails, die jeden Tag verschickt wird.
Gerade erst hat eine Studie der Unternehmensberatung Bain gezeigt, dass 30.000 Nachrichten im Jahr im Konzernalltag keine Ausnahme sind, sondern der Durchschnitt. Hier müssten die Unternehmen ansetzen. Viele Fragen lassen sich am Telefon schneller klären als auf dem Wege des E-Mail-Ping-Pong, und nicht in jeder Mail muss die Abteilung „z.K.“ oder „FYI“ auf den Verteiler. Wie in anderen Lebensbereichen gilt auch hier: Lieber über das ganze Jahr hinweg Maß halten – dann braucht es keine Radikalkur.

Ja, ein frommer Wunsch. Sicher ist es sinnvoll, die E-Mail-Flut an der Quelle zu stoppen. Aber auch verdammt schwierig, wenn das Medium es dem Absender so leicht macht. Und im Alltag haben die meisten Mitarbeiter mit der Flut auch umzugehen gelernt. Das Problem stellt sich eben doch erstg im Urlaub, wenn die eigentliche Erholungszeit durchbrochen wird, oder genau danach, wenn man den Rückstau abarbeiten muss. 
Dabei wissen doch alle, die jemals in einem Konzern gearbeitet haben, dass sich der größte Teil der Mails von selbst erledigt, also letztlich auch ohne Aktion eines der vielen direkt oder nur per Kopie Adressierten ohne besondere Folgen bleibt. Und wenn es wirklich mal “brennen” sollte, dann weiß der angegebene Stellvertreter auch hinreichend Bescheid. Also ist der Urlaub eines Mitarbeiters nicht nur die erste, sondern auch die beste Gelegenheit, dem scheinbaren Zwang, ständig erreichbar sein zu müssen, einen Riegel vorzuschieben. 
Lasst uns also Daimler preisen. Und wenn es einem Konzern gelingt, seine Mitarbeiter vom E-Mail-Unwesen zu befreien, dann wird man dort an vorderer Stelle stehen. Wenn es denn den FAZke trösten sollte…

Das Problem der Deutschen mit Israel

Es heißt, wer einen Hammer in der Hand hielte, sehe nur eine Welt voller Nägel. Da ist was dran.

Es gilt zum Beispiel für Antisemiten. Das Problem haben sie parat: Es sind die Juden. Und demzufolge sehen sie auch überall “Belege” für ihre These. Hinter jedem Übel stecken die Zionisten, und Juden bedroht werden, kann es sich auch nur um eine von diesen selbst ausgeheckte, perfide Verschwörung handeln.  

Aber ich fürchte, es trifft auch umgekehrt zu. 

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Demokratische Grenzen

Ich bin zwar selbst kein Liberaler mehr, habe aber aus alten Zeiten noch einige Verbindungen zu Liberalen. Auf Twitter kamen wir neulich auf die sächsische Landtagswahl zu sprechen. Ein Gesprächsteilnehmer war der Meinung, die AfD sei dort – wie die NPD – “braun”. Seine Begründung: Im Wahlkampf stünden Themen zur Begrenzung der Einwanderung im Vordergrund. Ein anderer Gesprächsteilnehmer empfand es als bedenklich, dass sich die AfD an Wähler wendet, die rechts von der CDU stehen. Schließlich hätten die beim letzten Mal überwiegend NPD gewählt.

Ich halte im Gegenzug beide dieser Argumentationen für bedenklich. 

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